Zwei Wochen vor dem Zugspitz Ultratrail.

Eigentlich war mein Plan, an der Zugspitz Vertical Challenge teilzunehmen. Jedoch lud mich gerade die Schwester eines Freundes auf seinen Junggesellenabschied ein, der genau an diesem Wochenende stattfindet …

Also suche ich spontan nach Möglichkeiten, um nach Grainau zu gelangen. Ich frage Benni und Carsten, die ich letztes Jahr aus Berlin mitgenommen hatte, ob sie dieses Jahr wieder am ZUT teilnehmen. Werden sie. Allerdings wohnen die beiden mittlerweile im Süden … Benni gibt mir den Tipp, dass die Flitz-Piepen aus Berlin runterfahren. Mein Kommentar auf deren Blog wird gleich darauf beantwortet. Nach wenigen Tagen und einigen Mails zwischen Flitz-Piepe Olli und mir, steht die Mitfahrgelegenheit: Freitag Früh, Sechs Uhr vom S-Bahnhof Beusselstraße. Jetzt fehlt nur noch eine passende Unterkunft in Berlin von Donnerstag zu Freitag. Aber auch dafür hat Olli eine Lösung. Ich darf bei seiner Mutti in Tegel pennen. Geiler Typ!

Die Fahrt ist also gesichert und die Anmeldung zum Zugspitz Basetrail kurzerhand auch abgeschickt. Nachdem ich letztes Jahr beim Supertrail kurz vor der Hälfte ausgestiegen bin, will ich es jetzt nicht wieder übertreiben, auch wenn ich dieses Mal trainierter bin.

Ob ich vorbereitet bin? Darüber mache ich mir jetzt noch keinen Kopf. Die langen Sachen vergesse ich jedenfalls. Beim kleinen Basetrail gibts aber auch keine Anforderungen, was die Ausrüstung betrifft. Ich hätte also genauso gut Nackt laufen können. Auf Nachfrage heißt es nur, dass wir uns nach der Liste für den Basetrail XL richten sollen. Okay … Mütze und Handschuhe nehme ich aber nicht mit. Als langes Oberteil reicht meine winddichte Laufjacke, darüber die Regenjacke. Kurze Hose und knielange Laufsocken an … wird schon reichen.

 

Donnerstag – Berlin, Berlin

Pünktlich von der Arbeit losgekommen, werfe ich mir meinen Rucksack über, schnappe mein Fahrrad und düse zum Busbahnhof. Die Fahrt mit dem Fernbus geht schnell vorbei und schon sitze ich in der U-Bahn nach Alt-Tegel …

… verpasse den Anschluss-Bus und gönne mir dafür einen Döner. Passt mal wieder Alles. Gegessen hatte ich ohnehin noch nicht. Ollis Mutter zeigt mir den urigen Bungalow, den ich nun, statt eines Bettes im Hostel, ganz für mich alleine habe. Grandios! Gleich ins Bett und … schlafen kann ich nicht so schnell, es ist erst 22 Uhr und ich bin noch zu aufgeregt …

 

Freitag – Ankommen

Am Morgen bin ich aber frisch und munter und gönne mir halb sechs ein belegtes Brötchen und einen leider sauren Kaffee von der „Freundlichen Bäckerei“ an der Beusselstraße. Olli und Mila sacken Oriane und mich vor dem S-Bahnhof ein. Die Fahrt über führen wir tolle Gespräche über interessante Themen wie Lauftechnik, Ernährung, Reisen und allerhand Anderes. Wäre ich mit dem Fernbus gefahren, hätte ich das verpasst und außerdem auch noch länger gebraucht.

Je näher wir den Bergen kommen, desto pompöser werden die Wolkenformationen. Der Anblick ist immer wieder aufs Neue Atemberaubend, gerade wenn man sie nicht so oft mit eigenen Augen zu sehen bekommt. Mit den riesigen Wolken behangen, wirken sie sehr mächtig und mystisch und ziehen mich in ihren Bann. Am liebsten möchte ich jetzt gleich auf den Trail und über die Berge rennen.

Kurz nach 14 Uhr sind wir in Grainau, holen unsere Startunterlagen und schmökern durch die kleinen Zelte der verschiedenen Aussteller.

In den Unterlagen liegt ein 20 Euro Gutschein für Sport Conrad bei, der nur für dieses Wochenende gültig ist. Das ist die Gelegenheit für mich, mir einen der dort sowieso schon günstigeren Laufrucksäcke von Salomon zu besorgen. Der 12 Liter Rucksck kostet so, statt 180 Euro, nur schlappe 100 Euro. Allerdings möchte ich mir die drei Liter Variante vorher noch anschauen, welchen sie nur in der Filiale in Garmisch haben.

Also setzt Olli mich vor dem Geschäft ab. Den Rucksack in meinen Händen haltend, überzeugt er mich nicht so recht. Zudem habe ich ja noch den TRAIL XP 14 Laufrucksack von Raidlight. Was ich viel dringender brauche, ist ein Wanderrucksack für Tagestouren. Das fällt mir dann ein, als ich vor der Wand mit den Rucksäcken stehe und den Vaude Brenta 30 erspähe, den ich mir vorher auch schon im Internet angesehen hatte. Ich zögere nicht lange und nehme ihn mit, zufrieden, wieder etwas gespart bzw. mehr als die Hälfte vom Startgeld für den Lauf umgelagert zu haben.

Letztes Jahr übernachteten Stefan und ich im Hotel Vier Jahreszeiten direkt am Bahnhof für 50 Euro pro Nacht. Diesmal hatte das Hostel 2962 noch Betten frei. Für nur 21 Euro, plus 2 Euro Kurzaxe und 6 Euro Frühstück, habe ich ein ganzes Vierer-Zimmer für mich alleine.

Die Ausstattung reicht, das Personal ist freundlich und hilfsbereit, alles ist sauber und aufgeräumt. Bettwäsche und Handtücher sind inklusive und müssen nachher nicht wie in anderen Hostels irgendwo in einen Wäschewagen o.ä., sondern einfach nur auf den Boden gelegt werden. Das Frühstück für den Preis ist okay. Mir mangelt es hier an nichts und somit kann ich es jedem weiterempfehlen, der hier günstig eine Unterkunft sucht.

Nachdem ich mich etwas eingerichtet habe, packe ich meine Laufsachen in meinen neuen Rucksack, ziehe meine Trailschuhe an und mache mich auf den Weg nach Grainau zur Pastaparty und Streckeneinweisung. Am Bahnhof stelle ich erleichtert fest, dass dort Schließfächer sind, in denen ich Samstag vor dem Lauf meine Sachen unterbringen kann. Nun schlendere ich noch etwas in Garmisch-Partenkirchen an den Läden vorbei, verpasse den Bus und laufe im Regen nach Grainau.

Fast komplett durchnässt höre ich mir mit den anderen das Briefing für den Lauf morgen an, esse aber nichts. Carsten, Benni und Johanna treffe ich nur flüchtig und mache mich gleich wieder auf den Weg zurück nach Garmisch ins Hostel. Unterwegs fragt mich ein Pärchen, ob sie mich im Auto nach Garmisch mitnehmen können. Sie hatten mich auch schon auf dem Hinweg im vorbeifahren gesehen. Er läuft den Supertrail, sie den Basetrail XL. Die Unterhaltung war zwar kurz aber angeregt durch die Vorfreude auf morgen. Sie setzen mich am Bahnhof ab und wir wünschten einander viel Erfolg. Glücklich über die schöne Begegnung gehe ich mit viel Vorfreude recht früh ins Bett.

Samstag – Der Lauf

Neun Uhr, Frühstück: sechs Scheiben Mehrkornbrot mit Honig, Nutella und Marmelade. Keine schwere Wurst oder Käse jedenfalls. Ach und hatte ich schon erwähnt, das ich ja eigentlich noch Husten habe? Deshalb trinke ich in den letzten Tagen auch viel Tee. Gestern erst habe ich mir für den Lauf, neben den Magnesium-Tütchen, auch Salbei-Bonbons besorgt. Mittlerweile ist der Husten aber nicht mehr so schlimm. Außerdem habe ich letzte Woche Sonntag bei meinem Vier-Stunden-Lauf im Grunewald festgestellt, dass er beim Laufen gar nicht so sehr beeinträchtigt. Und schlimmer geworden ist er dadurch auch nicht.

Es regnet, wie schon die ganze Nacht über, als ich an den Startblock im Zentrum Garmischs bin. Alle stehen noch irgendwo unter, auch kurz vor dem Start noch. Der Sprecher zählt den Countdown runter … eine Minute noch. Aber es stehen noch so viele Läufer außerhalb des Startblocks, dass sich jetzt alle zum Eingang zwängen. Die Frau mit dem Klemmbrett gibt sich alle Mühe, schnellstmöglich die Startnummern abzuhaken und ihr Kompagnon versucht die Ausreißer zurückzuhalten, die schon loslaufen wollen. Wenige Augenblicke später lassen Sie uns durch, achten aber darauf, dass wir alle durch den Startblock laufen, damit unsere Zeiten auch gemessen werden können. Das Führungsfahrzeug ist längst außer Sichtweite, als ich loslaufe.

Zuerst gehts durch die Stadt. Es Regnet und die ganzen Straßen und Wege sind nass, matschig und mit vielen Rinnsalen überlaufen. Auf dem Asphalt kann ich noch Plätze gut machen, welche ich an der ersten Steigung dann aber wieder verliere, zumindest gefühlt. Ich versuche meinen Puls gleich hoch zu halten, gehe an Steigungen, laufe auf Geraden und gebe im Downhill Vollgas. Der erste Abschnitt ist nicht sehr schwierig. Breite Wald- und Forstwege ohne Schwierigkeiten und mit wenig Aussicht, bis auf vereinzelte Lücken zwischen den Bäumen.

Dann erreichen wir die erst Versorgungsstation für uns Basetrailer, Nummer Acht insgesamt. Beim Skyrace in Lichtenstein habe ich mich gleich vollgestopft mit den super frischen, saftigen Orangen und bestimmt mehr als einen halben Liter Wasser getrunken. Dass das nicht gut war, merkte ich gleich darauf, aber vor Allem nach dem Lauf. Es schlug mir richtig auf den Magen. Also esse ich jetzt nur etwas Obst, überwiegend Melone, und laufe weiter.

Jetzt beginnt der für mich schönste Teil der Strecke. Nach wenigen hundert Metern überqueren wir eine Holzbrücke und die orangenen Markierungen führen uns weg von den Breiten Wald- & Forstwegen und auf einen Abschnitt des Fernwanderweges E4. Ein uriger Singletrail entlang eines Baches, in den durch den vielen Regen auch zahlreiche Rinnsale aus allen Richtungen fließen.

In dieser Höhenlage stehen die Bäume nicht mehr so dicht, dafür haben sich viele andere schöne Pflanzen ausgebreitet. Daraus schöpfe ich wieder mehr Kraft und der Weg scheint mir weniger beschwerlich, wenngleich ich immer noch nur schnellen Schrittes hoch wandere. Ich nehme jede Pfütze und jeden Bach oder jedes Rinnsal mit. Das kühle Wasser tut einfach gut und lässt meine Füße den Boden noch intensiver spüren. Mittlerweile bin ich sowieso komplett durchnässt. Ob nun durch meinen Schweiß von innen oder durch den Regen von außen. Es ist egal. Ich laufe in einer Atemberaubenden Umgebung und bin vollkommen mit ihr verbunden, verschmolzen durch Regen und Wolkenschwaden, die uns völlig in sich aufnehmen. Es ist herrlich, ich könnte das noch lange so weiter machen.

Dann sehe ich Stephan aka Gripmaster bei der Arbeit auf einem Felsen krakseln, laufe am Felsen vorbei, schaue nach oben und rutsche aus. Nichts passiert, nur das linke Knie und den linken Arm etwas angeschlagen. Unwesentlich, ich merke kaum etwas. Weiter gehts.

Je höher wir kommen, desto mehr motivierendes Geschrei ist zu hören. An der vorletzten Kurve baut ein Sportfotograf gerade seine Ausrüstung auf … zu spät für mich. Oben an der VP9 Längenfelder Talstation stehen mehr als zwei Dutzend Menschen und feuern die durchnässten und erschöpften Läufer an. Das gibt wieder Elan für den letzten Abschnitt. Der Rundkurs hoch zur Bergstation Alpspitzbahn auf 2029 m wurde leider Wetterbedingt gesperrt. Es hat dort geschneit und viele Läufer, vor allem auf dem Basetrail, haben keine langen Hosen oder warme Kleidung dabei. Es ist zwar schade, dass wir die tolle Aussicht dort oben verpassen, aber sicher die Richtige Entscheidung, wenn man das Unglück vor einigen Jahren bedenkt.

Kurz erfrischen und dann gleich weiter um warm zu bleiben. Hier oben braucht man nur wenige Minuten im komplett durchnässten Zustand herumstehen, um gleich wieder auszukühlen. Von jetzt an gehts nur noch Bergab. Es macht Spaß die Serpentinen hinab zu rennen. Auf höheren Ebenen ist die Strecke war nass und voller Geröll, dafür aber nicht matschig. Es ist leicht für mich und ich kann wieder einige Plätze gutmachen.

Am Ende des Singletrails geht es auf einen breiten Waldweg weiter, der nach wenigen hundert Metern wieder genauso Steil hinab führt. Jetzt merke ich doch wieder, wie anstrengend so ein Downhill sein kann und muss langsamer machen. Sofort traktieren unzählige Zuckungen meine Wadenmuskulatur. Natürlich hatte ich mich wieder hinreißen lassen und war etwas zu schnell unterwegs. Aber dieses Mal habe ich kein Stechen in den Knien und fühle mich gut. Also werfe ich beide Magnesium-Tütchen ein, denn beim ersten bekomme ich nicht viel raus, weil es wohl feucht wurde. Zusätzlich probiere ich eines der Powerbar Gel Shots mit Cola-Geschmack. Das ist schon eher mein Fall und weniger klebrig als die kleine Knick-Packung, die es beim Skyrace in Lichtenstein dazu gab. Danach läuft es sich gleich wieder viel besser.

Wir laufen unter den Bäumen hervor auf eine kleine Lichtung, deren Wiesengräser schon zahlreich zertrampelt sind und den Boden nur noch rutschiger machen. Zu spät für mich. Ehe ich es mir versah landete ich auch schon rücklings im Matsch, bin aber sofort wieder auf den Beinen und laufe weiter. Der Boden ist so weich, dass ich kaum etwas spürte. Zusätzlich federt mein Rucksack das ganze ab und gibt mir Aufschwung. Ich denke mir, jetzt siehts wenigstens nach Etwas aus. Kurz bevor wir unten im Ort ankommen schließt ein Läufer zu mir auf und bis kurz vor dem Ziel laufen wir gemeinsam und feiern das ganze hier nochmals. Ein letztes Mal durchhalten und alles rausholen … dann bin ich im Ziel.

Als erstes gönne ich mir eine Cola und schaue einigen Finishern beim Zieleinlauf zu, will aber eigentlich nur schnellstmöglich aus den nassen Klamotten raus. Zum Glück fährt genau jetzt der nächste Bus nach Garmisch.

Schnell ist im Bus das Ergebnis gecheckt. Wie es aussieht, habe ich insgesamt gar nicht soooo viele Plätze verloren. Für die ungekürzte Strecke hatte ich mir ca. 3h 20m vorgenommen. Am Ende sind es laut Veranstalter 19,1 Kilometer und über 1.000 Höhenmeter gewesen. Also lag ich gut in meiner Zeit. Keine Topleistung, für mich aber völlig ausreichend. Ich mag ja lieber stressfrei laufen, die Gegend anschauen und ein paar schöne Fotos aufnehmen.

Die Überraschung des Tages sind für mich aber Benni & Carsten. Carsten mit seinem 16. Gesamt-Platz und 4. Kategorie-Platz im Ultra. Vor Allem aber Benni, der sich beim Ultra echt den zweiten Gesamt-Platz holt. Krasse Typen, die ich letztes Jahr hier kennenlernen durfte. Die beiden machen vor, was man in einem Jahr schaffen kann – Chapeau!

Schnell sind die Sachen vom Bahnhof geholt und ein warmes Plätzchen im Sausalitos gesichert. Die Klamotten wechsle ich auch fix auf dem Klo und während ich auf den Fernbus nach München zu Martin und Inge warte, gönne ich mir noch einen leckeren Burger um die Speicher wieder aufzufüllen. Martin läuft dann nächstes Jahr auch mit. Als Münchener hat er hier ja das ideale Trainingsgebiet. Ich freu mich schon!

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