Das der Brocken ganz oben auf der Liste stehen würde, war mir schon klar, bevor ich überhaupt wusste, was es im Harz alles zu sehen gibt. Bei der Recherche entdeckte ich in einem Youtube-Video die Eckertalsperre, durch welche die Deutsch-Deutsche Grenze führte. Für heute ist sie das Tagesziel.

Zuerst hatte ich eine Mehrtagestour mit Übernachtungen in Hütten geplant. Heute morgen habe mich aber spontan entscheiden, doch die restlichen Nächte bis Montag im Hostel zu schlafen – mit Ausnahme von Samstag zu Sonntag, wenn das Wetter mitspielt. Also führt die heutige Tour nicht nur über die Eckertalsperre bis zur Schutzhütte Eckersprung, sondern von dort auch wieder bis zum Parkhaus Schiere zurück.

Pünktlich um 8 Uhr gab es im Harz-Hostel Wernigerode Frühstück. Vier Euro waren dafür völlig in Ordnung. Mein Zimmergenosse, der Radfahrer, fuhr gleich nach dem Frühstück los, direkt durch den Harz, seine Eltern besuchen, wie er es schon öfters gemacht hatte. Auf halber Strecke Richtung Schierke wünschten wir uns dann im Vorbeifahren nochmals eine gute Fahrt.

Unterwegs hielt ich kurz, wie auch einige andere, an einem Bahnübergang um die Brockenbahn vorbeifahren zu sehen. Gute 20 Minuten braucht man mit dem Auto bis zum Parkhaus Schierke.

Gegen 10 Uhr gingen gleichzeitig mit mir ein Vater und sein Sohn vom Parkhaus los. So einige Leute waren unterwegs – je später es wurde und je näher der Gipfel kam, desto mehr wurden es.

Das hier Anfang April noch soviel Schnee liegen würde, hätte ich nicht gedacht. Orkantief „Niklas“ zum Dank, hatte ich also doch noch meinen Winter bekommen. Wenn man zwischen den Bäumen läuft, merkt man wenig vom Wind, welcher oben auf dem Brocken über den Gipfel fegt.

In einigen Waldabschnitten haben Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet, was man an den vielen abgestorbenen Fichten sehen kann. Hier im Nationalpark lässt man den Wald in Ruhe. „Neuer Urwald darf entstehen, möglichst ohne menschlichen Einfluss.“ steht auf einem Schild am Eckersprung.

Als ich den Bahnübergang kurz vor dem Gipfel überquerte, fuhr zufällig auch gerade die Brocken-Bahn vorbei. Ein willkommenes Fotomotiv für die zahlreichen Schaulustigen.

Schöne Schneekristall-Formationen am Findling, der den höchsten Punkt markiert.

Nach 2,5 Stunden oben angekommen, musste natürlich als erstes das Gipfelfoto gemacht werden. Danach gab es dann schön Nudeln mit Gulasch und ein Malzbier zur Erfrischung. Die Kantine hat reichlich Desftiges im Angebot, aber auch einiges zum Naschen, Salat, Obst und natürlich reichlich Durstlöscher. Es war zwar sehr voll zur Mittagszeit, ich fand aber doch ein nettes Plätzchen an einem großen Tisch.

Frisch gestärkt ging es dann im Schneetreiben auf der Nordseite den Heinrich-Heine-Wanderweg Bergab. Bis zur Hermannschaussee kann man die schöne Aussicht auf das Eckertal genießen.

Weiter unterhalb werden die Bäume dann wieder höher. Schließlich trifft man auf das Gasthaus „Am Scharfenstein“. Das ich den Scharfenstein begehe war zwar nicht geplant, aber der Weg war so kurz, dass ich es mir nicht entgehen lassen konnte. Die Aussicht dort Oben ist wirklich einmalig. Vom Brocken bis hier her habe ich 2 Stunden gebraucht.

Mit neuer Motivation ging es weiter. Zuerst den gleichen Weg vom Scharfenstein wieder hinunter (es gibt nur einen hinauf), dann vorbei an den Grundmauern eines ehemaligen Hirtenhauses und schließlich entlang des Eckerstausees bis hin zur Eckertalsperre.

An vielen Stellen stehen solche Stempelkisten, die zwar teils schon recht mitgenommen sind, aber immer noch funktionierten.

Weiteren 1,5 Stunden später stand ich auf der Eckertalsperre. An die ehemalige innerdeutsche Grenze erinnert heute ein Grenzstein.

Der nächste Abschnitt führte auf dem Grenzweg entlang des Westufers.

Die Schlucht zog sich eine gefühlte Ewigkeit hin. Die Schneeschmelze verwandelte mehrere Kilometer des Wanderpfades gänzlich in riesige Pfützen, kleine Bäche und Matschhaufen. Nach 3,5 Stunden wandern, durch diesen Matsch und meterhoher Schnee, erreichte die Schutzhütte Eckersprung. Nach einer kurzen Pause ging es, die nächsten 2 Stunden bis zum Parkhaus, mit der Kopflampe weiter.

Nach insgesamt 12 Stunden und 29 Kilometern war ich dann auch ganz schön geschlaucht. Gedanken an eine schöne, heiße Dusche ließen die letzten Kilometer in Dunkelheit und Eiseskälte relativ „schnell“ vorübergehen. Das sah man dann auch an meinem Rucksack:

 

Weitere Artikel zum Bericht

#1 Die Idee zur Tour an Ostern
#2 Gründonnerstag: Anreise nach Wernigerode
#3 Karfreitag: Brocken, Scharfenstein, Eckertalsperre
#4 Samstag: Kaisertum & Schloss Wernigerode
#5 Ostersonntag: Achtermannshöhe, Torfhaus, Gemkental, Altenau
#6 Ostermontag: Abreise über Halberstadt und Magdeburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.