Warum ich trotz meiner Unsicherheit nackt ins Fernsehen musste

Ich habe an der Nackt-Dating-Show  „Adam sucht Eva 2016“ teilgenommen. Sie lieft Anfang Oktober eine Woche lang jeden Abend auf RTL.

Die Medien überboten sich mit immer krasseren Schlagzeilen. Beispielsweise …

„Dat ist alles für den Arsch“

oder …

„Ey, drückst du dir die Nippel ein oder was?“

oder …

„Glattrasiert am Unterschichten-Äquator“

Nach der ersten Folge schrieb mir Meine Freundin Lena:

„Jacob, dass ist das Sexistischste,
was ich seit langem gesehen habe!“

Und auch Du bist vielleicht der Meinung, dass die Sendung primitiv ist, es nur um Geld und Karriere geht und die Leute dort Selbstdarsteller und komplett schmerzbefreit sind.

Wahrscheinlich hast Du Recht!

Die Sendung ist thematisch ein Minimalist und bietet höchstens Freunden der Ästhetik einen gehobenen Unterhaltungswert.

Zum Vergleich: Bei Big Brother muss man berühmt und durchgeknallt sein. Beim Dschungelcamp reichen einige Phobien und der Ekel vor ungewöhnlichen Lebensmitteln.

Bei Adam sucht Eva geht es darum, dass sich Normalos und Promis nackt vor der Kamera daten und der Zuschauer auf möglichst viele erotische Bilder hofft, weil ja sowieso schon alle nackt sind.

Aber warst Du schon mal im Sommer am FKK Strand? Dann weist Du vielleicht, dass das Eine nicht zwangsläufig auch zum Anderen führt.

Meine Freunde fragen sich auf jeden Fall bis heute, warum ich da mitgemacht habe!

Denn ich bin ein unsicherer Typ.

Du kennst Menschen wie mich.

Ich gehöre zu den Leuten, die in schwierigen Situationen mehr an sich selbst, als an anderen scheitern. Die in wichtigen Meetings auch gerne mal was sagen würden, es dann aber nicht schaffen.

Kopf-Turbo und Maulbremse.

Der einzige der mir also permanent im Weg steht, bin ich selbst.

Wie gelangt also jemand wie ich in diese Sendung?

Ich habe mich Ende 2015 bei einer Website für Fotografen und Models angemeldet. Völlig erwartungsfrei. 4 Portraitfotos hochladen und fertig. Vielleicht ergibt sich etwas, vielleicht auch nicht.

Im Frühjahr 2016 schreibt mir dann eine Produktionsfirma, ob ich Lust hätte bei „Adam such Eva“ mitzumachen?!

Ist das ein Scherz? Die kennen mich doch gar nicht! Ich wäre nie auf die Idee kommen, mich da freiwillig zu bewerben.

Ich schreibe einige Mails und telefoniere kurz mit ihnen. Dann laden sie mich zum Casting ein.

Ich frage einige Freunde, was sie davon halten: Sie sind überrascht, kennen die Sendung nur vom Hörensagen und finden es krass. Durch sie bekomme ich kritisches Feedback und Ermutigung.

Und ich sage mir am Ende:
Okay, ich gehe zum Casting!

Völlig aufgeregt betrete ich den Raum. Die wollen halt nicht nur Fragen stellen. Sondern auch das Material – also mich – nackt sehen.

Wider Erwarten ist es nett und macht Spaß. Am Ende gehe ich super entspannt und voller Vorfreude wieder raus.

Wenig später kommt die Zusage und mein besorgter Mitbewohner Flo plant eine Intervention um mich davon abzuhalten.

Noch weniger von der Idee sind nur meine Eltern begeistert: Ich könnte ja stattdessen auch in den Dolomiten wandern gehen.

Aber dieses Mal nutze ich dieses Mal die Chance. Ohne zu wissen, welche Konsequenzen es haben wird.

Ich habe Bock drauf und sehe es als Befreiungsschlag. Mehr machen, weniger denken. Und endlich raus aus der Komfortzone.

Und dann startet mein kleines FKK-Abenteuer

Die Firma übernimmt Alles: Flüge, Unterbringung, Essen.

Mit dem Zug von Rostock nach Hamburg. Am nächsten frühen Morgen mit Lufthansa Economy nach Los Angeles.

Mein Anschlussflug wird gecancelt und ich im Hotel einquartiert. Krass, so werden mir 24 Stunden Aufenthalt geschenkt.

Ich frage den Concierge im Hotel, wie ich die Zeit am sinnvollsten nutzen und die Statt erkunden kann. Seine Antwort und meine beste Chance: Die  L. A. City Night Tour für schlappe 65 Dollar.

Besser hätte ich es nicht treffen können. Der Busfahrer rast mit uns ganze fünf Stunden über Sunset Strip, durch Downtown L.A., vorbei an den Beverly Hills und unterhält er uns unentwegt mit witzigen Fakten.

Nach diesem schnellen und beeindruckenden Abend, chille ich den nächsten Vormittag am Manhattan Beach. Hier zeigen Lifeguards einem regionalen TV-Sender ihr Können, während Surfer gemütlich Wellen reiten.

Air Tahiti bringt mich nach Papetee, wo ich eine nacht auf Tahiti verbringe. Denn schon am nächsten Morgen geht es direkt weiter nach Tikehau.

Adam trifft auf Eva

Ich paddel in der Südsee mit einem Floß zur sogenannten „Insel der Versuchung“, vor mir ein Kamerateam.

Wir gehen langsam am Strand entlang, verstecken uns hinter Büschen, damit die anderen Insel-Bewohner noch nichts von mir mitbekommen.

Auf einer Landzunge entdecke ich eine Eva, ebenfalls begleitet von einem Kamerateam.

Wir sind beide nackt, die Filmleute angezogen. Gefühlt ist aber Nacktsein hier super normal. Alle gehen entspannt damit um.

Die Kameras hingegen bereiten mir mehr Schwierigkeiten.

Eva entdeckt mich und stellt sich mir vor, freut sich über ein neues Gesicht.

Ich bin unheimlich froh, dass sie vor der Kamera so entspannt sein kann und beim Smalltalk die Führung übernimmt.

Denn ich bin wieder total unsicher und weiß nicht was ich sagen soll. Alles geht so schnell und ich begreife das hier noch gar nicht richtig.

Und egal was du tust – oder auch wie in meinem Fall: nicht tust – die Kamera sieht alles. Begleitet und filmt jeden deiner Schritte.

Alle Situationen auf der Insel entstehen spontan oder aus den Inputs der Fernsehmacher. Sie nutzen dazu Spiele oder bringen neue Personen auf die Insel. Darüber beeinflussen sie die Handlungen und die Dynamik in der Gruppe.

Und dann passiert es wieder einmal: Ich verknalle mich! Und erneut steht mir mein Timingproblem im Weg. Ich bin zu langsam und verpasse gute Augenblicke.

Als ich es endlich begreife, stelle ich fest, dass Kopfturbo und Maulbremse raus sind. Irgendetwas ist mit mir passiert und ich kann ab jetzt dieses Abenteuer genießen.

Was am Ende für mich dabei heraus kommt, kannst Du bei RTL sehen.

Blöde Sendung, geiles Projekt.

Die erste Folge schaue ich noch während eines Bergurlaubs mit zwei Freunden.

Meine Freunde in der WhatApp-Gruppe sind empört. Stellen lauter Fragen.

Während der Ausstrahlung will Jeder alles wissen.

Deshalb erzähle ich meine Geschichte, gebe Interviews und halte einen Vortrag.

Wichtiger ist aber: Es holt mich erneut aus meiner Komfortzone.

Mein Freund Jens von Vir-Bonus rettet mir den Arsch: Coached mich die letzten Abende vor der Rede.

Vor Menschen zu sprechen ist für mich die größte Herausforderung.

Total nervös lese ich meinen Vortrag nur ab und verhasple mich oft.

Scheinbar bin ich an diesem Abend trotzdem der Publikumsliebling – Eben der super sympathische Normalo aus ihrer Stadt.

Mehr machen, weniger denken.

Mitgenommen habe ich für mich einiges. Ich will jetzt mehr: Ins Ausland gehen, Länder und Menschen kennen lernen und meinen Horizont zu erweitern. Mitte 2017 beginne ich damit:

Ein Jahr Work & Travel in Neuseeland.

Die Zeit danach? Ist ungewiss. Sie ist aber auf jeden Fall reif dafür.

Videos, Interviews & Presse

Jacob als nackter Adam im Paradies – NNN am 21.9.

27-Jähriger aus MV zieht im TV blank – OZ am 5.10.

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